MR. TOI

Bao Loc, Vietnam

Vietnam, das Land des Robustas

Unser cumpa Mitarbeiter Paul hat die Kaffeeindustrie Vietnams selbst miterlebt. Von 2016 bis 2022 hat er in Saigon gelebt, wo seine Entwicklung als Kaffee-Connossieur und Röster begann. Die vietnamesische Kaffeekultur hat sein Verständnis für Kaffee geprägt – nicht nur als Getränk, sondern als Lebensgefühl.

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Und die Industrie ist auch in Vietnam im Wandel. Mittlerweile ist Robusta Kaffee nicht mehr nur Billigkaffee für preiswerte Espressomischungen, Koffeinlieferant für die Industrie oder Nischenprodukt für vietnamesische Konsument*innen. Die dritte Kaffeewelle ist längst auch am südchinesischen Meer angekommen und krempelt hier die vietnamesische Kaffeekultur um.

Über Toi Ngyuen

Einer der Visionäre, die dieser Entwicklung ein Gesicht geben, ist Mr. Toi Nguyen. Sein Konzept: Kaffee mit Liebe produzieren. Was abgedroschen klingt, ist letztendlich ein ganzheitliches Konzept von unendlicher Weiterentwicklung, empathischen Beziehungen und schier grenzenloser Energie. Er will nicht weniger als die Zukunft von Kaffee neu denken. Deshalb heißt sein Unternehmen „Future Coffee Farm“.

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Als junger Mann kultivierte Nguyen Van Toi, wie Mr. Toi mit ganzem Namen heißt, auf einem kleinen Stück Land in seiner Heimatstadt Bao Loc Weizen. Der Ort liegt in den Berglandschaften Südvietnams und wurde von den französischen Kolonialherren einst als Kaffee- und Teeanbauregion genutzt. Mr. Toi ist Vietnamese. Er musste schon früh anfangen zu arbeiten, um seine zehnköpfige Familie zu unterstützen. Als sein erstes Kind geboren wurde, hatte er nicht einmal genug Geld, um seiner Familie ein Zuhause bieten zu können, weshalb sie die ersten drei Jahre nicht zusammenleben konnten. Nach jedem harten Arbeitstag auf der Farm verkaufte er „Bắp xào“ – gebratenen Mais auf der Straße, bis er endlich ein kleines Haus für sich, seine Frau und seine kleine Tochter kaufen konnte. Über diesen Tag berichtet er uns: „I promise, it was the best feeling ever – when our family could reunite, and I would be able to see them every single day.”

 

Vom Korn zum Kaffee

Nach einiger Zeit begann er, wie seine Nachbarn auch, Kaffee zu pflanzen. 2012 trat er einem Programm für nachhaltigen Kaffeeanbau bei und einer der Experten kam auf seine Farm. Zu diesem Zeitpunkt trocknete Mr. Toi die Kaffeekirschen noch auf dem Boden, ohne jegliche, vorherige Selektion. Auf der Seite hatte er eine extra Plane mit aussortierten Kaffeekirschen, die von Vögeln angepickt wurden. Diese waren alle rot und reif. Der Mann bot ihm einen höheren Preis für die „defekten“ Kirschen und kaufte sie alle auf. Mr. Toi begann zu verstehen, dass die reifen Kirschen nicht nur von den Vögeln, sondern auch von Rohkaffeehändlern bevorzugt werden.

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Immer wieder hatte Toi die Gelegenheit, sich mit den Trainer*innen des Programmes auszutauschen. Die Ratschläge halfen ihm dabei, seine Farmpraktiken zu verbessern. Getrieben von Neugier und einer immer stärkeren Leidenschaft schaffte es Mr. Toi, sich tiefes Wissen über Kaffee anzueignen, über den Anbau, moderne Prozessier-Methoden, Fermentationstechniken, Trocknungsmethoden. Eine enorme Leistung, berücksichtig man seine fehlenden Englischkenntnisse und knappen Ressourcen.

 

Seine stolzeste Errungenschaft wurde der Winey Natural Robusta: Ein anaerob in der Kirsche fermentierter Kaffee voller fruchtiger Aromen, mit komplexer Säure und cremigem Körper. Spätestens dieser Kaffee bescherte Mr. Toi über die Landesgrenzen hinaus eine Fangemeinde. Aber auch neben diesem Signature Coffee produziert er weitere, perfekt selektierte und hochqualitative Robustas, die ihres Gleichen suchen.

Future Coffee Farm

Als wir das Privileg hatten, seine Farm zu besuchen, zeigte er uns voller Stolz sein neuestes Projekt: Die Organic Farm. Mr. Toi denkt sehr nachhaltig und liebt die Natur. „Der Lieblingsteil meiner Arbeit ist die Erntesaison, wenn ich jeden Tag auf die Farm kommen kann,“ sagt er uns bei der kurzen Wanderung durch einen Streifen Regenwald, bevor es auf einem kleinen Pfad in das Tal hinab geht, wo seine Farm liegt.

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Hier kultiviert er neben Kaffeebäumen auch Mango, Jack Frucht, Ananas, Sternapfel und Durian. Als wir im Schatten eines Baumes sitzen und frische Früchte essen erzählt er uns auch von seinen Plänen Eco-Tourismus auf die Farm zu bringen. „Da hinten beim kleinen Wasserfall möchte ich ein Homestay errichten, wo Kaffeeexpert*innen und Enthusiast*innen übernachten können, wenn sie die Farm besuchen,“ sagt er und strahlt. „Ich bin mit nichts aufgewachsen, aber ich habe jetzt eine Familie, der ich etwas hinterlassen möchte, wenn ich eines Tages gehen muss.“

 

Seine Worte schwingen mit, als wir zurückfahren und bleiben uns bis heute im Gedächtnis. Mr. Toi hat feste Verträge mit seinen Partnerfarmer*innen im Umland und pflegt engen Kontakt mit ihnen. Er bezahlt ein Vielfaches von dem, was in der Region üblich ist und bekommt die Qualität, die er für ein perfektes Produkt benötigt. Die Beziehungen sind nachhaltig, freundschaftlich und professionell.

 

Mit cumpa haben wir die besondere Ehre, Vertriebspartner*innen für Mr. Tois Kaffees in Europa zu sein. So können wir seine Ambitionen langfristig unterstützen. In den kommenden Jahren wollen wir befreundete Röster*innen auf die Farmen mitzunehmen und so den Austausch in den Ursprung zu fördern.