Diversität

Der Klimawandel ist bereits Realität und wird die Zukunft der Kaffeeindustrie maßgeblich beeinflussen. Nachrichten aus verschiedenen Kaffeeursprungsländern und wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen dies. Die Kaffeeindustrie steht vor Herausforderungen: Die Anbauflächen für Arabica schrumpfen, und in den Bergen muss die Abholzung gestoppt werden. Die empfindliche Arabica-Pflanze kann sich an das zunehmend volatile und heiße Klima nur schwer anpassen. In diesem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Klimawandel und der Entwicklung neuer Varietäten brauchen wir mutigere Lösungen.


Coffea Diversität

Ein möglicher Lösungsansatz liegt unserer Meinung nach in Canephora (auch bekannt als Robusta). Fast die Hälfte des weltweit produzierten Kaffees litt traditionell unter einem schlechten Ruf – als minderwertig und geschmacklich ungenießbar. Diese Stigmatisierung führte zu radikalen Kostensenkungen in der Produktion und minderwertigen Qualitäten, die den schlechten Ruf weiter festigten. Diesen Teufelskreis wollen wir durchbrechen – und sind nicht allein!

Die Canephora-Industrie entwickelt sich rasant. In Südostasien entstehen erstaunliche Qualitäten, die oft nicht nach Europa gelangen, da die lokale Specialty Coffee Szene diese hochwertigen Robustas bereits aufkauft. Die ersten Specialty Coffee Röstereien bieten mittlerweile 100% Robusta Kaffees an, die auch im V60 oder Coldbrew geschätzt werden. Bei Kaffee-Meisterschaften werden Canephoras immer häufiger der Jury vorgestellt.

Um die Wertschätzung und den Wissensaustausch über Canephora-Kaffee zu fördern, haben wir 2023 das Canephorum ins Leben gerufen. Dieses Mini-Festival widmet sich ganz dem Thema Canephora. In Workshops, Cuppings, Gesprächen und Keynotes erkunden Canephora-Liebhaber*innen aus aller Welt die Geheimnisse dieser oft vernachlässigten Kaffeepflanze. Die positive Resonanz auf die ersten Veranstaltungen macht uns optimistisch. Nachhaltigkeit war noch nie so lecker wie bei Fine Robusta!

Wir sind stolz darauf, mit unserem Glauben an Fine Robusta neue Wege zu gehen. Vietnam, das zweitgrößte Kaffeeland der Welt, hatte lange einen schlechten Ruf für Masse statt Klasse. Seit 2020 zeigen wir mit Spitzenkaffees, dass vietnamesische Robusta-Produzierende auch erstklassige Qualität liefern können. Zudem gewährt uns die Arbeit mit Fine Robusta in Peru oder Panama Zugang zu einzigartigen, exotischen Rohkaffees, die wir in unserem Sortiment anbieten.

Canephora ist keine magische Lösung für alle klimawandelbedingten Probleme des Kaffees, aber ihr Potenzial ist enorm. Sie ist bereits weit verbreitet, hat aber noch nicht die nötige Aufmerksamkeit in Bezug auf Investitionen und Forschung erhalten. In den letzten Jahren beobachten wir eine zunehmende Fokussierung auf Robusta. Wir unterstützen diese Bewegung, wo wir nur können, und sagen: Lang lebe Canephora!


Indigene Völker

Die Arbeit mit indigenen Gemeinschaften ist eine delikate Angelegenheit. Wir stehen vor komplexen Herausforderungen wie beispielsweise dem Schutz des kulturellen Erbes, dem Recht auf Weiterentwicklung, White Saviorismus und der Romantisierung schwieriger Lebensbedingungen.

Unsere zentrale Frage ist, wie indigene Gemeinschaften von der Kaffeeproduktion profitieren können. Die Antwort darauf ist überall anders. Für die sensible Arbeit mit indigenen Gemeinschaften kooperieren wir mit lokalen Akteuren wie Regierungsorganisationen, NGOs und Industrie- sowie Forschungsinstitutionen.

Hier eine Übersicht wichtiger indigener Communities in unserem Netzwerk:

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Ort, Gemeinde Bezeichnung
Peru, Satipo Yanesha Die Yanesha leben im zentralen Regenwald Perus und bewahren traditionelles Wissen und Bräuche, auch im nachhaltigen Kaffeeanbau. Sie setzen sich für den Erhalt der Biodiversität ein und kombinieren moderne landwirtschaftliche Praktiken mit ihrem Ahnenwissen.
Peru, Lamas Quichwa Die Quichwa von Lamas sind bekannt für ihre lebendigen Feste und traditionelles Handwerk. Sie pflegen aktiv ihr sprachliches und kulturelles Erbe und integrieren es in ihre landwirtschaftlichen Praktiken, einschließlich des Anbaus von Bio-Kaffee.
Vietnam, Gia Lai Jarai Die vietnamesischen Jarai zeichnen sich durch ihre matrilineare Sozialstruktur aus. Sie sind bekannt für ihre aufwendigen Bestattungsrituale, traditionelles Weben und gemeinschaftsorientiertes Leben, was ihre landwirtschaftlichen Methoden und kooperativen Farmingsysteme tiefgehend beeinflusst.
Vietnam, Son La Taidam Die Taidam aus Nordvietnam sind bekannt für ihre komplexen Textilkünste und landwirtschaftliche Expertise. Sie bauen verschiedene Pflanzen an, unter anderem hochwertigen Kaffee, unter Verwendung alter Techniken, die die Fruchtbarkeit des Bodens steigern und das ökologische Gleichgewicht der Region bewahren.
Vietnam, Dak Lak Province Ede Die Ede sind ein indigenes Volk in Vietnams zentralem Hochland, das maßgeblich im lokalen Kaffeeanbau involviert ist. Ihre matrilineare Kultur überträgt Besitz und Abstammung über die weibliche Linie, wobei Frauen gesellschaftlich zentral stehen. Charakteristisch sind die traditionellen Langhäuser (Nhà Dài) der Ede Großfamilien. Naturgeister, Ahnenverehrung und Ernte-Rituale prägen ihre Traditionen bis heute. Die Sprache und Bräuche werden trotz wachsender Modernisierung bis heute gepflegt.
Vietnam, Lang Biang K’Ho Die K’Ho leben rund um den Lang Biang Berg  und sind Expertinnen in der Kombination von Agroforstwirtschaft mit traditionellen Praktiken. Sie sind Hüter*innen des Landes und nutzen ökologische Landbaumethoden für den Kaffeeanbau, was hilft, die einzigartige Flora und Fauna des Berges zu erhalten. Ihr Land wird durch die Blumenindustrie bedroht, die immer weiter in K’Ho Land vordringt.
D.R. Kongo, Kivu Region Pygmies Die Pygmäen der Kivu-Region gehören zu den ältesten Bewohner*innen Afrikas und sind bekannt für ihre tiefe Verbindung zum Wald als Jäger*innen und Sammler*innen. Ihr profundes Wissen über die Naturwelt informiert nachhaltige Praktiken, die ihre kulturelle und ökologische Landschaft schützen. Da auf Idjwi mittlerweile kaum mehr Wald steht, ist auch ihr pygmäischer Lebensstil kaum mehr realisierbar.
D.R. Kongo, Kivu Region Kihavu Die Kihavu sind für ihre landwirtschaftlichen Fähigkeiten und kulturelle Resilienz in der Kivu-Region des DR Kongo bekannt. Trotz anhaltender Konflikte bauen sie weiterhin Kaffee an, der eine entscheidende Rolle in der wirtschaftlichen Stabilität und sozialen Struktur ihrer Gemeinschaft spielt.