Unsere Reise durch Java & Bali

Jakarta – Coffea Historie und die World of Coffee
Im Frühjahr 2025 formte sich eine kleine indonesisch-deutsche Reisegruppe, um gemeinsam auf ein Abenteuer aufzubrechen. Treffpunkt: Jakarta. World of Coffee. Kaffeeexpert*innen aus aller Welt kamen für das Kaffee-Megaevent in der asiatischen Metropole zusammen, und gleichzeitig in einem der größten Kaffeeanbauländer der Welt. Wir hatten bereits viel gehört, spannende Kaffees probiert und über Indonesiens Rolle in der Verbreitung von Kaffee gelesen. Paul, der viele Jahre in Vietnam und anderen asiatischen Ländern verbracht hatte, war genau der Richtige für diese Mission. Schon 2019 war er zum ersten Mal nach Indonesien gereist und hatte erste Eindrücke gewonnen.
Ein Reisebericht von Paul
Angekommen in Jakarta, einer der größten Städte der Welt, tauchte ich zunächst tiefer in Indonesiens Geschichte ein. Ein Besuch im historischen Museum im alten „Dutch Quarter“ machte deutlich, welche zentrale Rolle die Insel Java und ihre Hauptstadt Batavia, das heutige Jakarta, gespielt hatten. Batavia war Umschlagplatz und Knotenpunkt: Über den Hafen wurden Kolonialwaren in die Niederlande verschifft. Darunter Kaffee. Unweit der Stadt lag der botanische Garten Kebun Raya Bogor – ein zentraler Ort kolonialer Pflanzenforschung. Von hier aus wurden Pflanzenwissen und Kulturen in Netzwerken weitergetragen, die weit über Java hinausreichten.
Nicht die Heimat von Canephora, aber Teil des Ursprungs der Marke „Robusta“.
Nach drei intensiven Tagen auf der World of Coffee, mit angeregten Gesprächen im Producers Village, ging es los. Zusammen mit Farhan, Kissia, Rizal machten wir uns per Mini-Van auf eine Reise quer über Java, mit dem Ziel, sieben Kaffeeproduzierende zu besuchen, mit denen wir uns verabredet hatten. Farhan, Mitgründer von Meramanis Coffee in Köln und Uberall Roasters in Cirebon (West Java), war unser lokaler Reiseleiter. Kissia, ebenfalls Mitgründerin von Meramanis, wollte Fotomaterial sammeln und einige Produzierende endlich persönlich treffen, von denen sie bereits Kaffee kaufte. Rizal, ein Barista und Freund der beiden, war mit an Bord, um zu dokumentieren und zu lernen.
West Java – Pionier*innen und Leopardenspuren
In West Java besuchten wir mehrere Kaffeeproduktionen, die auf vielversprechende Coffea-Diversität setzen. Dazu kamen Aufbereitungsmethoden, von denen wir zuvor weder gehört hatten noch in den Genuss gekommen waren, sie zu verkosten. Eine dieser Stationen war der Produzent Rainaldi im Dorf Marga Mekar. Wir hatten viel von ihm gehört, da er verschiedene Coffea dewevrei (Excelsa) Lots auf die Competition World Stage gebracht hatte. Sein Ruf eilte ihm in Indonesien bereits voraus.
Er empfing uns an einem alten, unbewohnten Haus am Rand des Dorfes. Ratma, der Besitzer der Farm, die wir gleich besuchen wollten, war mit dabei. Ebenso Sofyan, ein Agrarexperte aus dem Landwirtschaftsministerium, der extra für unseren Besuch dazukam. Umschwirrt von Tiger Moskitos liefen wir hinter das Haus, wo uns der mächtigste Kaffeebaum erwartete, den wir – da waren sich alle einig – bis zu diesem Zeitpunkt gesehen hatten. Er hatte einen Stamm, vergleichbar mit dem eines Apfelbaums, üppiges Blattwerk und stand gerade in der Blüte. Der Baum sei 120 Jahre alt. „This is wonderful coffee“ erzählte Rainaldi, der beim Sprechen markant das „r“ rollt. Laut Rainaldi würden die Erträge von Excelsa größer und hochwertiger, je älter der Baum – anders als bei Arabica oder Canpehora.
Auf der Ladefläche seines Pick-up-Trucks fuhren wir hoch zur Farm. Der Blick in die Ferne war atemberaubend, als wir ruckelnd die holprige Straße einschlugen. Am Ende des befahrbaren Wegs stoppten wir an einer Tabakfarm. Eine gehisste indonesische Flagge wehte im Wind und an der Hauswand einer kleinen Hütte hing ein Warnhinweis: „Leopard Territory“…
Die Excelsa-Farm lag in absoluter Idylle. Zwischen Bananenstauden, Tabakpflanzen und einem Streifen Wald lag sie an einem Bachbett. Circa 100 Kaffeebäume standen hier. Eine Frischwasserquelle sprudelte mitten aus der Wiese und fütterte den kleinen Bach, der den Berg hinabfloss. Während der Kolonialzeit habe sich hier eine Teeplantage befunden. Heute ist das Gebiet renaturiert und wird als Agroforst genutzt. Bei einem Snack erzählte uns Rai, dass er 15 Jahre auf einer Palmölplantage gearbeitet habe. Er war daran beteiligt gewesen, Urwald abzuholzen und Ölpalmen zu pflanzen. „Ich habe gesehen, wie Orang-Utans getötet wurden. Ich habe den Wald sterben sehen. Heute hoffe ich auf Vergebung, indem ich Agroforst mit Excelsa-Kaffee anlege.“
Zurück im Dorf bekamen wir die Gelegenheit, bei einem Cupping im Café eines Freundes die volle Bandbreite von Rainaldis Kaffees zu verkosten. Wir waren hin und weg. Limette, Ananas, grüner Apfel, Pfirsich, Blutorange, Karamell, Schokolade, Marzipan, Tabak, Steinpilz. Süß, sauer, bitter, salzig, umami; alle Geschmacksrichtungen fanden sich in seinen Kaffees wieder. Jedes Lot, jeder Prozess war signifikant anders und distinkt in seinem Aromenprofil. Noch eine Stunde nach dem Cupping bemerkte ich den außergewöhnlich süßen, steviaartigen Charakter von Excelsa am Gaumen und auf der Zunge. Noch vor Ort sicherte ich unser erstes rares cumpa Lot – produziert von Rainaldi.
Inspiriert und voller Neugier führte unsere Reise weiter durch die wechselnde Landschaft Javas. Wir fuhren durch Dörfer und kleine Städte, hielten zum Frühstück oder Mittagessen in Garküchen, dann ging es weiter entlang von Reisfeldern und Waldstücken. Wir hatten Spaß, lachten viel, motiviert durch die gemeinsame Leidenschaft – auf der Spur exzellenter Kaffees.
Wir machten einen Stopp bei Rafki, dem amtierenden indonesischen Cup Tasters Champion…
In seinem bescheidenen Heim nahm er uns mit in eine Trainingssession für die World Stage. Nach der gemeinsamen Triangulation trafen wir die Farmer, deren Kaffee er unter rudimentären Bedingungen in seinem Hinterhof aufbereitete. Die ganze Familie empfing uns herzlich, und wir verbrachten einige Stunden bei einer üppigen Mahlzeit, heißem Tee und viel Gelächter, während draußen ein Monsunregen aus den Wolken platzte.
Am Folgetag besuchten wir eine Farm am Hang eines Vulkans. Hier wuchsen Canephora-Sträucher unter Excelsa-Bäumen, die wiederum von hohen Laubbäumen umgeben waren. Nebelschwaden zogen herein und kühlten die tropische Luft angenehm ab. Ein besonderes Mikroklima. Auf dem Pfad entdeckten wir tatsächlich Leopardenspuren, ganz frisch. „Sie sind immer da, aber du bekommst sie nie zu Gesicht. Sie sind die Geister des Dschungels“, sagte uns unser Gastgeber Alfred.
Zentral Java – Canephora aus Überzeugung
Spätabends erreichten wir Zentral-Java, wo wir Kissias Familie trafen. Mit vielen anderen saßen wir auf großen Teppichen, die am Straßenrand ausgebreitet waren, um nachts hungrige Gruppen zu bewirten. Man füllte sich den Teller an einer Art Buffet und hockte im Schneidersitz zusammen, aß, trank und lachte, während das geschäftige Treiben einen umgab. Es sind diese Momente, die eine Reise mit lokalen Freund*innen so besonders machen.
Wir waren mit Vins und Bedjo in Sepakung verabredet. In einem kleinen Dorf am Berg Telomoyo hatte das Producer-Duo ihre Processing Station aufgebaut. Ganz in der Nähe kultivierten sie Robusta der Varietät Tugusari auf über 1.000 Höhenmetern. Von den höchstgelegenen Farmen hatte man Ausblick auf den Vulkan Merbabu, der zum Terroir dieser Farmen maßgeblich beiträgt und sich majestätisch aus der Landschaft erhob…
Mbah (respektvoll für Onkel) Bedjo strahlte Freude, tiefe Gelassenheit und Weisheit aus. Er ist seit Jahrzehnten passionierter Canephora-Farmer und kennt die übrigen Farmer dieser Region bestens. Er und sein deutlich jüngerer Produzentenpartner Vins teilen die Vision, Canephora aus Indonesien auf höchstem Qualitätsniveau zu produzieren. Ihr Quattro Anaerobic Natural war fruchtig, gut strukturiert und sauber als wir ihn erstmals gemeinsam probierten. Ein Statement-Kaffee. Für mich war klar: Das sind Partner, nach denen wir suchen.
Beim Abstieg von der Farm schallte die Stimme des Muezzins von der Moschee im Tal den Berg hinauf. Ein Gänsehautmoment, der den Namen für Vins und Bedjos Canephora Lot prägte: „Kamandang“ – „Echo“.
Als letzten Stopp auf der Insel Java trafen wir Reza.
Bisher kannten wir seinen Kaffee nur über unseren Freund Mikolaj Pociecha, der uns begeistert von Rezas Arbeit erzählt hatte und seine Kaffees bereits röstete. Wir hatten Reza bereits auf der World of Coffee in Jakarta kennengelernt. Umso größer war die Freude, ihn in seinem Haus wiederzusehen, das zugleich als kleiner Showroom und Processingstation dient.
Reza ist scharfsinnig und verschmitzt, und er erzählt so, dass man zuhört. Trotz seines jungen Alters spürt man seinen bewegten Lebensweg durch seine Ausstrahlung. Bevor er zu einem der einflussreichsten Kaffeeproduzenten Indonesiens wurde, hatte er ein anderes Leben. Er war arm, drogensüchtig, auf den Straßen Jakartas unterwegs, kurz davor, völlig abzurutschen. Dann entschied er sich, einen anderen Weg zu gehen und die Drogensucht hinter sich zu lassen, zog aufs Land, um seinem Umfeld zu entkommen und sein Schicksal wieder selbst in die Hand zu nehmen…
Heute fermentiert er Arabica, Canephora und Excelsa unter kontrollierten Bedingungen, mit verschiedenen Hefekombinationen und Mosto, dem Saft, gewonnen aus der Fermentation von Kaffeekirschen. Kleinteilige Lots mit exotischen Profilen trocknen auf seinem Hausdach. Seine Kaffees und sein Charakter sind kontrovers, doch sein Lebenscredo passt zu beidem: „your opinion is not my reality“.
Sein Cousin Adhi und seine Frau Iva, beide Chemiker*innen, arbeiten an der Vision eines Processing Labs, in dem sie lokale Hefekulturen und Bakterien für die Fermentation kultivieren. Schon jetzt fließt ihr Wissen in die Kaffees ein, die uns Reza in seinem Wohnzimmer präsentierte.
Abschied nehmen – Letzte Station: Bali
In Yogyakarta trennten sich die Wege. Kissia, Farhan und Rizal fuhren zurück in ihre Heimatstädte, die wir auf der Reise quer über Java besucht hatten. Dieser familiäre Aspekt bedeutet mir und in unserer Arbeit bei cumpa viel, und ich freue mich schon, eines Tages zurückzukehren.
Ich reiste weiter nach Bali. Nicht, um die Reise mit Urlaub zu beenden, sondern mit dem Ziel meiner letzten Station: HEQA Coffee, ein neuer Produzent im Norden der Insel, der sich angeschickt hat, absolut zukunftsfähigen Kaffee zu kultivieren…
Jeremy ist Gründer des etablierten Importunternehmens Kopi Fabriek in den Niederlanden und maßgeblich am Aufbau der HEQA Processing Station im Norden Balis beteiligt. Der erste Treffpunkt war im Süden der tropischen Urlaubsinsel. Dann begann die vierstündige Fahrt entlang von Kokospalmen, Reisfeldern und Hindutempeln. Bali fühlte sich anders an, spirituell und mit einer einzigartigen Kultur.
Im Auto tauschten wir Ideen aus, lernten uns kennen, freundeten uns an. Nach einem Stopp an einem vor wenigen Jahren ausgebrochenen Vulkan tranken wir Kaffee mit Blick auf ein schwarzes Lavafeld. Wir stoppten bei der Farm von Kanggo, einem leidenschaftlichen Produzenten von Arabica. Zwischen Orangen- und Zitronenbäumen wächst hier Kaffee. Eine kleine Parzelle ist mit Yellow Caturra bepflanzt, deren gelbe Kirschen süß, floral und saftig schmeckten.
An der Processing Station angekommen wurde uns der Maßstab klar. Die Anlage war noch im Aufbau, kurz vor der Vollendung. Bald sollten hier die ersten Tonnen Spezialitätenkaffee verarbeitet werden. Und nun ging es um den Hauptgrund, weshalb ich gekommen war: Auf Bali wurden vor einigen Jahren Hybride aus Liberica-Wurzelstock und Robusta-Krone gepflanzt. Das tiefe Wurzelwerk soll die Pflanze aus tieferen Erdschichten mit Wasser und Mineralien versorgen, während die Robusta üppige Erträge und ein nussig-karamellartiges Profil verspricht. Ein Kaffee, der dem heißen und trockner werdenden Klima der Region angepasst ist und somit absolut zukunftsfähig. Mit cumpa waren wir begeistert diese Mission von Tag 1 anzubegleiten.
Zurück nach Europa – Wir haben Partner*innen und Freund*innen gewonnen
Knapp drei Wochen, einmal quer über Java bis nach Bali, waren eine faszinierende, lehrreiche Reise voller unvergesslicher Eindrücke. Ich bedanke mich herzlich für die Gastfreundschaft und die Begeisterung, mit der ich empfangen wurden. Unsere kleine Reisegruppe war zu Beginn eine Zweckgemeinschaft, ist nun aber in Freundschaft verbunden durch diese gemeinsame Zeit.
In den kommenden Jahren wird Indonesien zu einem wichtigen Kaffeeursprungsland für cumpa werden, und wir können es kaum erwarten, auch Euch einmal mitzunehmen – für ein gemeinsames Abenteuer: den ersten cumpa Origin Trip Indonesien.
Seid ihr dabei?
Du bist begeistert von der Idee mit uns nach Indonesien zu reisen?
Melde Dein Interesse gern per Mail und erfahre als Erste*r wann die Reise losgeht: paul.lidy@cumpa.de














































































































