How Roasting shapes Robusta Coffee Flavor

Die Rolle der Röstung für das Geschmacksprofil von Robusta-Kaffee

– Sangpimpa, W. et al. (2025): Influence of roasting technique on physicochemical properties, volatile compounds, and flavor profile of robusta (Coffea canephora) coffee beans.


Coffea canephora (Robusta) ist seinem Nischendasein längst entwachsen, wird jedoch noch häufig auf „Crema und Koffein“ reduziert. Eine aktuelle Studie aus Thailand zeigt, dass sich das sensorische Profil von Robusta durch bewusste Kombinationen aus Röstgrad und Aufbereitung nach der Ernte fein modulieren lässt. Dieses Briefing fasst die wichtigsten Ergebnisse der Studie kompakt und praxisorientiert zusammen und leitet direkte Konsequenzen für den Röstalltag von Röster*innen sowie für die sensorische Bewertung im Cupping-Raum ab.

In unserer Arbeit bei canephorum und cumpa verwenden wir bevorzugt den wissenschaftlichen Namen Coffea canephora (kurz: Canephora). Die in der vorliegenden Studie dargestellten Ergebnisse beziehen sich auf denselben Kaffee unter dem Handelsbegriff „Robusta“. Um die Inhalte der Arbeit präzise wiederzugeben, orientieren wir uns im Artikel an der Terminologie der Studie. Ansonsten sprechen wir weiterhin von Canephora, mit dem Ziel, diesen Begriff langfristig zu etablieren.


Studiendesign: Was wurde untersucht?

Die Forschenden verglichen thailändische Robusta-Kaffeebohnen in einem 2×3-faktoriellen Design über zwei Aufbereitungen (washed, honey) und drei Röstgrade (hell, mittel, dunkel). Die Analysen erfolgten auf drei Ebenen:

  • Physikochemische Kennzahlen: Feuchtegehalt, Farbe, pH-Wert, Gesamtphenole und -flavonoide.
  • Aromastoffe: GC–MS/GC–FID-Profilierung mit 45 identifizierten flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs).
  • Deskriptive Sensorik: Bewertungen durch ein geschultes Panel.

Zentrale Erkenntnis: Röstgrad und Aufbereitung wirken miteinander zusammen und führen konsistent zu Verschiebungen in Chemie, Aromazusammensetzung und sensorischen Eigenschaften.


Bohnenchemie: Farbe, Feuchtegehalt, Antioxidantien

Mit zunehmendem Röstgrad nahmen Feuchtegehalt und Helligkeit (L) ab; auch die Chroma-Werte verloren an Sättigung – die Bohnen wirken dadurch optisch dunkler und gedeckter. Parallel dazu sanken die Gehalte an Gesamtphenolen (TPC) und Gesamtflavonoiden (TFC); entsprechend gingen die antioxidativen Aktivitäten (DPPH, FRAP, ABTS) mit zunehmender Röstung zurück (S. 6, Tabelle 2). Die Autor*innen führen diese Muster auf thermische Degradation und/oder Umwandlung phenolischer Bestandteile zurück; Produkte der Maillard-Reaktion können dies nur teilweise kompensieren.

Fazit: Sehr dunkle Röstungen verringern nicht nur Farbe und Feuchtegehalt, sondern auch die phenolische Komplexität – relevant sowohl fürs Mundgefühl als auch für mögliche gesundheitsbezogene Angaben.

Flüchtige Aromastoffe: röstgradabhängige Zu- und Abnahmen

Insgesamt wurden 45 flüchtige Verbindungen identifiziert – darunter Pyrazine, Furane, Phenole, Pyridine/Pyrrole, Ketone, Ester u. a. (S. 8–9, Tabelle 3). Einige auffällige Verschiebungen:

Pyrazine (z. B. 2-Methylpyrazin, 2-Ethyl-6-methylpyrazin) nehmen mit steigendem Röstgrad zu und verstärken „nussige/geröstete“ Attribute. Honey-aufbereitete Proben zeigten etwas höhere Pyrazinwerte – konsistent damit, dass trockenere Aufbereitungen mehr Vorstufen erhalten.

Guaiacol (Guajakol) und verwandte phenolische Verbindungen nehmen mit dunkleren Röstgraden zu und verstärken rauchige/würzige sensorische Noten.

5-Methylfurfural und andere Furanverbindungen, die Süße-/Karamellnoten unterstützen, sind in helleren Röstungen stärker vertreten und nehmen mit zunehmender Röstentwicklung ab – insbesondere in gewaschenen Proben (washed), was mit der geringeren Verfügbarkeit von Zuckervorstufen im Vergleich zur Honey-Aufbereitung übereinstimmt.

Kurz gesagt: Mit steigendem Röstgrad verschiebt sich das sensorische Profil zu nussigen/rauchigen Noten, während hellere Röstungen fruchtig-süße Nuancen bewahren.

Sensorische Wahrnehmung: Washed ≠ Honey

Die Radar-Diagramme der deskriptiven Sensorikanalyse (S. 9, Abb. 1) zeigen klare Trends:

Washed: ausgeprägtere Zitrusnoten, höhere Säure und ein vinös-fruchtiger Charakter; Schokolade-/Kakaonoten vergleichsweise zurückhaltend.

Honey: mehr Süße, vollerer Körper und ausgeprägtere Kakao-/Nussnoten – besonders attraktiv bei mittleren Röstgraden.

Über alle Röstgrade hinweg verschiebt sich der sensorische Gesamteindruck wie erwartet:

Hell: krautig-grün, fruchtig, zitrisch; höhere wahrgenommene Süße (Furan-bedingt).

Mittel: ausgewogener; Süße sowie tiefere Kakao- und Nussnoten.

Dunkel: rauchig/erdig/tabakartig/aschig; Pyrazine und Guajakol dominieren.

PCA: Daten bestätigen den Eindruck der Verkoster*innen

Die PCA-Biplots (Abb. 2, S. 11) clustern die Proben klar nach Röstgrad und Aufbereitung; chemische und sensorische Variablen kovariieren entsprechend. In Abb. 3 (S. 12) laden Pyrazine, Guajakol, 5-Methylfurfural und verwandte Verbindungen in die gleiche Richtung wie „Roasted Grain“, „Dark Chocolate“ und „Smoky/Ashy“ – ein starker Hinweis darauf, dass diese flüchtigen Stoffe die entsprechenden Attribute treiben. Umgekehrt laden Ester/Lactone näher bei „Orange/Pfirsich/Honig/Vanille“, also bei helleren Röstungen und bestimmten Aufbereitungsbedingungen.

Praktische Implikation: washed + hell korreliert mit Säure/Frucht; honey + dunkel mit Körper/Süße/Rösttiefe. Kein Dogma, aber ein nützlicher sensorischer Kompass.


Was heißt das für Röster*innen?

  • Mehr Süße gesucht?Honey + hell/mittel. Das nutzt zuckerreiche Vorstufen (Furane), ohne sie „wegzurösten“.
  • Mehr Rösttiefe/Nuss/Schokolade?Dunkler. Unabhängig von der Aufbereitung; mit Honey gewinnt ihr zusätzlich Körper.
  • Vorsicht: „zu weit“ rösten: → Eine schwere Röstung reduziert TPC/TFC (Gesamtphenole/-flavonoide) und damit die Komplexität; sensorisches Risiko rauchig/aschiger Noten, die Herkunftscharakter überdecken (S. 5–6).
  • Kalibrierungs-Tool: → Nutzt Prozess × Röstgrad als aktive Geschmackssteuerung. Für Robusta startet z. B. mit Honey/City+ für publikumsfreundliche Süße/Körper oder mit washed/hell–mittel für moderne fruchtig-klare Profile. Bestätigt am Cupping-Tisch – die PCA-Cluster zeigen, dass Chemie und Wahrnehmung hier gut zusammenpassen (S. 11–12).


Fazit

Die Studie zeigt überzeugend, dass der Röstgrad bei Robusta (Coffea canephora) nicht bloß „hell vs. dunkel“ ist, sondern – zusammen mit der Nachernteaufbereitung – als starker Hebel die Chemie, die Aromaprofile und die sensorische Wahrnehmung gezielt verschiebt. Die Kombination aus Honey-Aufbereitung und mittleren Röstungen liefert häufig Süße, Körper sowie Kakao-/Nusstiefe. Gewaschene Kaffees und hellere Röstungen erhalten Frucht und Säure. Je dunkler die Röstung, desto nussig-rauchiger das Profil – allerdings auf Kosten der phenolischen Komplexität und der Süße.

Implikationen für die Spezialitätenpraxis: bewusst planen, in Kleinchargen erproben, mit einem geschulten Panel von Verkoster*innen kalibrieren – und Robusta nicht als „Blend-Füllstoff“, sondern als vielseitigen Ursprung verstehen, dessen Profil sich über Prozess × Röstgrad präzise modellieren lässt.



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Clara Schumann
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