El Super Niño 2026/2027

Im Pazifikraum gibt es einen Wetter- und Klimazyklus, die sogenannte El Niño Southern Oscillation.
Normalerweise wehen Passatwinde von Ost nach West. In Südostasien regnet es deshalb viel und das Pazifikwasser ist warm, während vor den Pazifikküsten Süd- und Mittelamerikas kaltes Wasser für Fischreichtum sorgt und es nur sehr wenig regnet. So sehen normale Jahre aus.
In El-Nino Jahren schwächen sich die Winde ab oder bleiben ganz aus. Der Pazifik vor Peru wird deutlich wärmer. In Südostasien kommt es zu Dürren und Stürmen, während in Peru Sturzregen und Überschwemmungen an den Küsten stattfinden.
Diese El Nino-Jahre finden schon seit Beginn der Aufzeichnungen statt, mit einigen Jahren Abstand.
Der älteste bekannte El-Niño-Indikator war übrigens weder Satellit noch Wetterstation, sondern eine Muschel. Die heilige Mullu-Muschel (Spondylus) gelangt mit warmen Meeresströmungen aus dem Norden an die Küste Perus. Ihr Auftreten galt deshalb seit Jahrtausenden als Warnsignal für Wetterumschwünge, Starkregen und Missernten. Den Namen „El Niño“ erhielt das Phänomen erst nach der spanischen Eroberung Perus. Er verweist auf das Christkind und damit auf die koloniale Prägung des Landes durch spanische Sprache und christliche Religion. Archäologische Funde, darunter jüngst entdeckte Spondylus-Fragmente in Kuélap, erinnern daran: Das Wissen über El Niño ist deutlich älter als sein Name.
Der renommierte Klimaforscher Zeke Hausfather warnt bereits im Juli vor dem „Strongest El Niño ever“ (https://www.theclimatebrink.com/p/the-strongest-el-nino-ever)
Was 2026/2027 anders ist, ist, dass El Nino mit dem menschgemachten Klimawandel eine noch größere Unvorhersehbarkeit entwickelt. Heute könnte die Welt vor einem außergewöhnlich starken Ereignis stehen. Die NOAA sieht für Herbst und Winter 2026/27 eine Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent für einen sehr starken El Niño. Einige Prognosen halten sogar ein Rekordereignis für möglich, das noch heftiger als das katastrophale Ereignis 1877/78 ausfallen könnte, in dessen Folge Hungersnöte Millionen Menschen das Leben kosteten.
Der Markt beginnt bereits, Risiken einzupreisen. Das zeigt sich am C-Preis. Obwohl Brasilien 2026 auf eine Rekordernte zusteuert, sind die Kaffeepreise nicht eingebrochen. Im Gegenteil: Die Notierungen blieben hoch beziehungsweise stiegen zeitweise weiter an. Marktteilnehmer bewerten nicht nur das aktuelle Angebot, sondern auch die Risiken für kommende Ernten und Lieferketten.
Die Auswirkungen sind bereits sichtbar. In Panama sorgt die El-Niño-bedingte Trockenheit für sinkende Wasserstände im Panamakanal. Die Kanalbehörde reduziert deshalb die Zahl der täglichen Schiffspassagen. Weniger Transitkapazität bedeutet längere Wartezeiten, höhere Frachtraten und zusätzlichen Druck auf globale Lieferketten, einschließlich Kaffee.
Gleichzeitig drohen in wichtigen Kaffeeanbauregionen Wetterextreme. Während Teile Mittelamerikas und Südostasiens häufig unter Trockenheit leiden, können andere Regionen von ungewöhnlich starken Niederschlägen betroffen sein. Für Brasilien sind vor allem Regenfälle während Ernte, Trocknung und Aufbereitung kritisch. Selbst bei hohen Erträgen kann darunter die Qualität leiden.
Ein wichtiger Punkt wird dabei oft übersehen: Ein Super El Niño wirkt selten gleichmäßig. Während manche Kaffeeanbaugebiete unter extremer Trockenheit leiden, können andere Regionen von zusätzlichen Niederschlägen oder vergleichsweise stabilen Bedingungen profitieren. Selbst innerhalb eines Landes unterscheiden sich die Auswirkungen häufig erheblich. Genau diese asymmetrische und schwer vorhersehbare Natur macht El Niño zu einer besonderen Herausforderung für Produzenten, Exporteure und Märkte. [gcrmag.com]
Gleichzeitig bedeuten höhere Kaffeepreise nicht automatisch höhere Einkommen für Erzeuger. Wer aufgrund von Dürre, Überschwemmungen oder Qualitätsverlusten geringere Erntemengen erzielt, kann sinkende Produktion nur begrenzt durch höhere Marktpreise ausgleichen. Besonders kleinere Betriebe verfügen oft nicht über die finanziellen Mittel, um mit Bewässerungsanlagen oder Wasserspeichern auf solche Wetterextreme zu reagieren.
Das Ereignis hat gerade erst begonnen. El-Niño-Ereignisse erreichen ihre größte Wirkung typischerweise in den Wintermonaten der Nordhalbkugel. Viele der relevanten Auswirkungen auf Niederschläge, Logistik, Ernten und Rohstoffmärkte liegen also noch vor uns.
Für die Kaffeebranche ist das eine Erinnerung daran, dass Klimarisiken längst kein Zukunftsthema mehr sind. Sie beeinflussen Preise, Verfügbarkeiten, Transportwege und Qualität bereits heute.
Die gute Nachricht: Wir sind lieferfähig. Unsere Kaffees sind verfügbar, und wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere Lieferketten widerstandsfähig gegenüber den zunehmenden klimatischen Herausforderungen zu gestalten.












