Canephorum Meise – Keyspeaker

Meet The Speakers

Canephorum geht in die vierte Runde. Auch dieses Mal möchten wir Coffea canephora nicht als vereinfachte Kategorie behandeln, sondern als Art mit messbarer Vielfalt, biologischer Tiefe und realen Marktbedingungen. Genau dafür braucht es Perspektiven, die selten in einem Raum zusammenkommen. Unsere Speaker bringen Feldforschung und Taxonomie aus Zentralafrika, genetische Ressourcenarbeit aus Uganda, analytische Chemie und Spektroskopie aus Brasilien, angewandte Röstchemie aus Österreich, Biodiversitätsforschung aus Belgien sowie internationale Qualitäts- und Trainingspraxis aus der Schweiz zusammen. Ergänzt wird das Programm durch eine Markt- und Origin-Perspektive aus Deutschland, die zeigt, wie sich Wissen in Entscheidungen übersetzt.

Diese Vielfalt ist kein Selbstzweck. Sie macht sichtbar, wo die wichtigsten Fragen zu Canephora heute liegen. Wie unterscheiden sich Populationen genetisch und ökologisch. Welche Marker helfen bei Zuordnung und Authentifizierung. Welche Prozess- und Röstentscheidungen lassen sich chemisch begründen. Und wie schaffen wir Standards und eine Verkostungssprache, die Canephora präziser und fairer bewertet. Im Folgenden stellen wir jede Person kurz vor und verlinken dort, wo es passt, auf relevante Arbeiten und Referenzpunkte.


Dr. Michel Rocha Baqueta

Dr. Michel Rocha Baqueta ist Postdoktorand am Institute of Chemistry der University of Campinas (UNICAMP) in Brasilien. Zusätzlich ist er als kooperierender Professor im Graduate Program in Food Science an der FEA UNICAMP akkreditiert. Sein Profil verbindet Food Science mit analytischer Chemie und übersetzt Messdaten konsequent in anwendungsnahe Fragen der Kaffeequalität.

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Inhaltlich arbeitet er an der Schnittstelle von Spektroskopie, Chemometrie und Metabolomics. Im Kaffee liegt sein Schwerpunkt auf der chemischen Charakterisierung, Differenzierung und Authentifizierung von brasilianischem Specialty Coffea canephora. Dabei geht es um belastbare Zuordnung von Herkunft, Qualitätsmerkmalen und geografischen Angaben. Besonders relevant für die Praxis ist sein Ansatz, NIR- und NMR-Daten mit robusten chemometrischen Modellen zu kombinieren, um Proben nach Ursprung, Varietät und Qualität zu trennen und auch Verfälschungen oder Kontaminationen, etwa mit Weizen oder Soja, nachweisbar zu machen. Seine Forschung wurde mit dem Prêmio CAPES de Tese ausgezeichnet.

Sein Weg in den Kaffeesektor begann über Food Science und analytische Chemie. Vor der akademischen Laufbahn arbeitete er drei Jahre in der Lebensmittelindustrie. In seiner Promotion an der UNICAMP, inklusive einer Forschungsphase an der Sapienza University of Rome, hat er eine Linie etabliert, die präzise Analytik mit praktischen Qualitätsfragen der Wertschöpfungskette verbindet.

Veröffentlichte Studien

  • Baqueta, M. R., Marini, F., Rocha, R. B., Valderrama, P., & Pallone, J. A. L. (2023). Authentication and discrimination of new Brazilian Canephora coffees with geographical indication using a miniaturized near-infrared spectrometer. Food Research International, 172, 113216. doi: 10.1016/j.foodres.2023.113216
  • Baqueta, M. R., Alves, E. A., Valderrama, P., & Pallone, J. A. L. (2023). Brazilian Canephora coffee evaluation using NIR spectroscopy and discriminant chemometric techniques. Journal of Food Composition and Analysis, 116, 105065. doi: 10.1016/j.jfca.2022.105065

Dr. Catherine Kiwuka

Dr. Catherine Kiwuka ist ugandische Kaffeeforscherin am Plant Genetic Resources Centre der National Agricultural Research Organization. Ihre Arbeit erkennt man an der Schnittstelle von Kaffeeforschung, Biodiversitätsschutz und Klimaresilienz. Ihr Kernfokus liegt auf der genetischen Diversität und der Trockenstressantwort von ugandischem Coffea canephora, mit besonderem Blick auf den Wert wilder Populationen für eine klimaangepasste Züchtung. Damit verbindet sie Genetik und Naturschutz mit einer klaren Frage aus der Praxis: Welche genetischen Ressourcen machen zukünftige Produktionssysteme robuster.

Bekannt ist sie für ihre Promotionsarbeit zu Coffea canephora unter Trockenstress. Diese Arbeit zeigte eine klare genetische Strukturierung und eine relevante Variation in der Trockenstressantwort zwischen Populationen. Aufbauend darauf adressiert sie sowohl die Diversität nativer und kultivierter ugandischer Coffea canephora als auch das Anpassungspotenzial wilder Bestände im Kontext des Klimawandels. Für Canephorum ist daran zentral, dass sie Coffea canephora nicht als fixe Commodity-Kategorie behandelt, sondern als variabel und anpassungsfähig. Das schärft den Blick für lokale Adaption und für Entscheidungen, die Züchtung und Resilienz langfristig absichern.

Veröffentlichte Studien

  • Kiwuka, C. (2020). Genetic diversity and phenotypic variation of wild, feral and cultivated Coffea canephora in relation to drought stress (PhD thesis, Wageningen University). doi: 10.18174/530909
  • Kiwuka, C., Goudsmit, E., Tournebize, R., de Aquino, S. O., Douma, J. C., Bellanger, L., et al. (2021). Genetic diversity of native and cultivated Ugandan Robusta coffee (Coffea canephora): Climate influences, breeding potential and diversity conservation. PLOS ONE, 16(2), e0245965. doi: 10.1371/journal.pone.0245965

Dr. Lukas Macheiner

Dr. Lukas Macheiner ist ein an der BOKU ausgebildeter Kaffeeforscher. Gleichzeitig ist er mit der Familie hinter der Salzburger Rösterei 220GRAD verbunden. Diese Doppelperspektive verknüpft wissenschaftliche Präzision mit konkreter Röstpraxis.

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Seine bekannteste Forschung untersucht, wie Herkunft, Fermentation und Röstung die chemische Zusammensetzung von Rohkaffee, Röstkaffee und Getränk verändern. Ein zentraler Referenzpunkt ist seine Dissertation: Impact of Origin, Fermentation and Roasting on the Chemical Composition of Coffee Beans and Brews. In Publikationen hat er unter anderem zu Grünkaffee-Infusionen als Quellen von Koffein und Chlorogensäuren, zur Isomerisierung von Chlorogensäuren als Monitoring-Ansatz für Röstprozesse sowie zur Bildung biogener Amine im kommerziellen Rösten gearbeitet. Seine Dissertation erhielt einen Alimentarius Award, und seine Arbeit zu Grünkaffee-Infusionen wurde mit dem Czedik–Eysenberg Prize 2020 ausgezeichnet.

Für Canephorum ist daran zentral, dass diese Forschung Diskussionen über Qualität, Processing und Roast Development auf Messwerte zurückführt. Sie verbindet Prozessentscheidungen mit nachweisbaren Veränderungen in der Bohne und im Brew. Das schafft eine belastbare Grundlage, um Coffea canephora mit derselben analytischen Genauigkeit zu besprechen, die viele in der Praxis längst einfordern.

Veröffentlichte Studien

  • Macheiner, L., Schmidt, A., & Mayer, H. (2021). A novel basis for monitoring the coffee roasting process: Isomerization reactions of 3-caffeoylquinic and 4-caffeoylquinic acids. LWT – Food Science and Technology, 152, 112343. doi: 10.1016/j.lwt.2021.112343
  • Macheiner, L., Schmidt, A., Wagner, M., & Mayer, H. (2022). Thermogenic formation of biogenic amines during commercial coffee roasting processes. LWT – Food Science and Technology, 154, 112664. doi: 10.1016/j.lwt.2021.112664

Dr. Piet Stoffelen

Dr. Piet Stoffelen ist Senior Researcher am Meise Botanic Garden in Belgien und arbeitet dort seit 1999. Einen zentralen Teil seiner Laufbahn widmete er der Kaffee-Feldforschung und dem Biodiversitätsschutz in Zentralafrika, besonders in der Demokratischen Republik Kongo. Seine taxonomische Arbeit und seine langjährige Präsenz im Feld haben mitgeprägt, wie wir Diversität innerhalb der Gattung Coffea heute verstehen, inklusive genetischer Struktur, neu beschriebener Arten und daraus abgeleiteter Prioritäten für Erhaltung und Züchtung.

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Für Coffea canephora ist seine Perspektive besonders relevant, weil sie die Pflanze konsequent als vielfältige Art behandelt, nicht als einheitlichen Rohstoff. Durch die Dokumentation wilder Populationen in Zentral- und Westafrika zeigte seine Arbeit, dass Canephora aus klar unterscheidbaren genetischen Gruppen und lokalen ökologischen Anpassungen besteht. Genau diese Unterschiede sind die Grundlage, wenn Resilienz, langfristige Anbaueignung und auch Qualitätsfragen seriös diskutiert werden sollen.

Über seine Karriere hinweg leitete er zahlreiche botanische Expeditionen, half beim Aufbau einer der bedeutendsten lebenden Kaffee-Sammlungen und veröffentlichte breit zu Taxonomie, Erhaltungsstrategien und internationaler wissenschaftlicher Zusammenarbeit. Damit schafft er Referenzsysteme, die Herbarbelege mit Populationen im Feld verbinden und die Artabgrenzung in tropischen Gehölzen methodisch absichern. Für Canephora, deren Komplexität oft mit begrenzter Forschungstiefe kontrastiert, macht diese Arbeit Potenziale sichtbar, die ohne saubere Systematik und Schutzkonzepte kaum nutzbar wären.

Veröffentlichte Studien

  • Stoffelen, P., Anthony, F., Janssens, S., & Noirot, M. (2021). A new coffee species from South-West Cameroon, the principal hotspot of diversity for Coffea L. in Africa. Adansonia, 43(26), 277–285. doi: 10.5252/adansonia2021v43a26
  • Davis, A. P., Govaerts, R., Bridson, D. M., & Stoffelen, P. (2006). An annotated taxonomic conspectus of the genus Coffea (Rubiaceae). Botanical Journal of the Linnean Society, 152, 465–512.

Dr. Robrecht Bollen

Dr. Robrecht Bollen ist Research Scientist am Meise Botanic Garden in Belgien. Seine Arbeit verbindet Kaffeebiodiversitätsforschung mit Fragen, die für Selektion, Produktion und Bewertung in der Praxis relevant sind. Im Zentrum steht das Bewahren, Screenen und Valorisieren von Kaffeearten, mit einem klaren Schwerpunkt auf Coffea canephora. Dafür verknüpft er Genetik, strukturierte Sensorik, Metabolomics als chemisches Profiling pflanzlicher Inhaltsstoffe sowie agronomische Merkmale, um zu verstehen, wie biologische Vielfalt in Tassenqualität und Feldperformance übersetzt werden kann.

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Er kam über Food Technology in den Kaffeesektor und arbeitet zugleich als Coffee Grader. Diese Doppelperspektive prägt seine Forschung, weil Laboranalytik und sensorische Evaluation nicht getrennt laufen, sondern als zusammenhängendes Entscheidungssystem gedacht werden. Seine Doktorarbeit fokussiert kongolesisches Coffea canephora aus der INERA-Yangambi-Sammlung in der DR Kongo, einem global wichtigen Zentrum für Canephora-Züchtung. Über zwei Erntejahre analysierte er 70 Genotypen und integrierte genetische Daten, Sensorik, Agronomie und Metabolomics.

Für Canephorum ist daran besonders relevant, dass seine Ergebnisse eine belastbare Brücke von genetischer Diversität zu Qualität schlagen. Sensorische Profile erwiesen sich über Jahre als stabil, und Metabolit-Muster, besonders in Blättern, zeigten Vorhersagepotenzial für Cup-Qualität. Gleichzeitig werden Unterschiede zwischen genetischen Gruppen und Hybriden sichtbar, die sowohl sensorisch als auch agronomisch eigene Profile tragen. Das unterstützt eine differenzierte Diskussion darüber, wie Genetik, Verarbeitung und Umwelt jeweils zum Ergebnis beitragen, und wo gezielte Selektion innerhalb der Canephora-Diversität ansetzen kann.

Veröffentlichte Studien

  • Bollen, R., Verleysen, L., Katshela, B. N., Kambale, J. L., Ebele, T., Ruttink, T., et al. (2024). Sensory profiles of Robusta coffee (Coffea canephora) genetic resources from the Democratic Republic of the Congo. Frontiers in Sustainable Food Systems, 8. doi: 10.3389/fsufs.2024.1382976
  • Bollen, R., Rojo-Poveda, O., Verleysen, L., Ndezu, R., Tshimi, E. A., Mavar, H., et al. (2024). Metabolite profiles of green leaves and coffee beans as predictors of coffee sensory quality in Robusta (Coffea canephora) germplasm from the Democratic Republic of the Congo. Applied Food Research, 4(2), 100560. doi: 10.1016/j.afres.2024.100560
  • Bollen, R., & Rojo-Poveda, O. (2025). The impact of coffee genotype and processing method on the sensory and metabolite profiles of Robusta coffee (Coffea canephora). European Food Research and Technology. doi: 10.1007/s00217-025-04696-z

Lukas Harbig

Lukas Harbig ist Mitbegründer des deutschen Rohkaffeeimporteurs cumpa und der Initiative Canephorum. Er ist Geschäftsführer von cumpa und arbeitet an der Schnittstelle zwischen Rohkaffeehandel, Partnerschaften im Anbaugebieten, Nachhaltigkeitsfragen und Qualitätskommunikation rund um den Spezialitätenkaffee Coffea canephora.

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Er ist Händler, international vernetzt und versteht sich als Connector zwischen Produzent*innen weltweit sowie Röster*innen und Konsument*innen in Europa. Lukas ist überzeugt, dass exzellenter Kaffee über verschiedene Coffea-Arten, Regionen und Höhenlagen hinweg möglich ist. Er sieht Canephora als weit verbreitet, aber weitgehend missverstanden an und daher in einer einzigartigen Position, den Markt neu zu gestalten.

Ein zentraler Teil seiner Arbeit besteht darin, durch Beschaffung, Aufklärung, Veranstaltungen und eine präzisere Qualitätsdiskussion einen praktischen Markt für Canephora zu schaffen. Seit 2024 ist er als internationaler Juror bei der Cup of Excellence tätig.

Gloria Pedroza

Gloria Pedroza arbeitet bei NKG Quality Service in Zug, Schweiz, und verantwortet dort Qualitäts- und Trainingsarbeit über das internationale NKG-Netzwerk hinweg. Sie stammt aus Guatemala, lebt seit mehr als 20 Jahren in der Schweiz und hat ihre Laufbahn innerhalb der Neumann Kaffee Gruppe aufgebaut. Ihr Schwerpunkt liegt auf Quality Assurance, sensorischer Evaluation und Kaffeeausbildung. Das ist keine akademische Forschung im engen Sinn, aber es ist die Infrastruktur, über die Qualität im Alltag überhaupt vergleichbar und kommunizierbar wird.

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Gloria ist internationale Qualitätsverantwortliche, Educator und Sensorik-Jurorin. Sie arbeitet als Q Arabica und Q Robusta Instructor, als SCA Trainer und als zertifizierte Sensorik-Jurorin. Zudem gewann sie 2006 die World Cup Tasters Championship. Ihre Praxis als professionelle Cupperin begann 1998 in Guatemala. Ihre erste Rolle hatte sie bei NKGs lokalem Exportunternehmen. Daraus entstand ein Profil, das Verkostung, Rohkaffee-Qualität und Training entlang der Supply Chain miteinander verbindet.

Für Canephorum ist diese Perspektive zentral, weil sie Coffea canephora in eine präzisere Qualitätsdiskussion bringt. Sie stärkt Standards, Skills und eine gemeinsame Verkostungssprache, die nötig sind, um Canephora-Qualität konsistent, fair und reproduzierbar zu bewerten. Das schafft bessere Vergleichbarkeit zwischen Lots, reduziert Missverständnisse zwischen Produzent*innen und Käufer*innen und macht Qualitätsentwicklung in Canephora praktischer umsetzbar.

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