Bakterium-Boost für Canephora Fermentation

Wie Milchsäurebakterien die Qualität verändern
Weniger Koffein, mehr Antioxidantien, klarerer Inhalt. Eine neue Studie zeigt, wie eine gezielte Fermentation Robusta weiterbringt.
Canephora ist unsere Leidenschaft. Wir arbeiten daran, die Wahrnehmung von Canephora zu verbessern. Präzise Fermentation ist dafür ein Schlüssel. Eine aktuelle Studie aus Biodiversitas zeigt, wie die Zugabe des Milchsäurebakteriums L. mesenteroides während der Nassfermentation die Qualität von Robusta-Kaffeebohnen verbessert, indem es Koffein reduziert und antioxidative Eigenschaften steigert – und das alles, ohne den Geschmack zu beeinträchtigen.
Inhalt der Studie
Gemessen:
pH, Koffein , total phenolic content , antioxidative Aktivität , Basisparameter , Mikrobiologie sowie eine sensorische Prüfung mit einem Panel.
Ziel:
Einfluss eines definierten Starters auf Chemie, Sicherheit und Sensorik von Robusta.
Design:
Nassfermentation über 6, 12 und 18 Stunden, jeweils mit und ohne Starter. Analysen an Proben vor und nach dem Rösten.
Die Effekte
- Koffein ↓ ~13 % im Mittel.
- Gesamtphenole ↑, antioxidative Aktivität legt zu.
- pH ↓ durch organische Säuren.
- Sensorik: dunkle Schokolade, Karamell, rundes Mouthfeel
Sweet Spot
12 Stunden Fermentation mit Starter liefern die stärksten Werte in Chemie und Panel.
Für die Praxis
Mikro-Batches ansetzen, pH und Temperatur loggen, 12 h priorisieren, Ergebnisse transparent teilen.
Takeaway
Gezielte Mikrobiologie verschiebt die Wahrnehmung von Canephora. Qualität ist kein Zufall.
Der Fermentationsprozess: L. mesenteroides als Qualitätsmotor
Die Kaffeeverarbeitung nach der Ernte erfolgt entweder durch trockene oder nasse Fermentation. Die Nassfermentation beinhaltet das Einweichen der Bohnen in Wasser und kann die antioxidative Aktivität erhöhen, wahrscheinlich aufgrund spontan vorhandener LAB.
L. mesenteroides wurde hier als proteolytisches Bakterium eingesetzt, das eine Schlüsselfunktion beim Abbau von Koffein und der Steigerung der Antioxidantien-Aktivität spielt.
Die wichtigsten Rollen von L. mesenteroides:
- Koffeinabbau: L. mesenteroides besitzt proteolytische Enzymaktivität, die Koffein (1,3,7-Trimethylxanthin) durch Demethylierung abbaut. Dabei entstehen Stoffe wie 3,7-Dimethylxanthin, 7-Methylxanthin und Xanthin. Insbesondere kann das Bakterium Koffein um mehr als 89% abbauen und Paraxanthin produzieren. Paraxanthin gilt als sicherer als Koffein, da es keine toxikologischen Auswirkungen auf Ratten zeigt.
- Antioxidantien-Freisetzung: Das Bakterium enthält Enzyme wie Feruloyl-Esterase und Tannase. Die Feruloyl-Esterase kann antioxidative Verbindungen wie Ferulasäure und Hydroxyzinnamate aus den Zellwänden freisetzen. Auch die Tannase trägt zum Gesamtphenolgehalt (TPC) bei.
- Säurebildung: Als heterofermentatives Bakterium produziert L. mesenteroides organische Säuren wie Essigsäure, Milchsäure, Zitronensäure und Apfelsäure. Diese Säureproduktion führt zu einer Senkung des pH-Wertes sowohl bei grünen als auch bei gerösteten Kaffeebohnen.
Die Chemische Bilanz: Weniger Koffein, mehr Schutz
Die Ergebnisse der Studie, die Robusta-Kaffee vom Merapi-Vulkan (Yogyakarta, Indonesien) untersuchte, zeigen signifikante Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung:
| Qualitätsmerkmal | Auswirkung durch L. mesenteroides Zugabe | Details |
|---|---|---|
| Koffeingehalt | Deutliche Reduktion | Der Koffeingehalt von Kaffeebohnen wurde durch die Zugabe um durchschnittlich 13,34 % gesenkt. Bei Espresso aus gerösteten Bohnen reichte der Gehalt von 2,05 bis 3,04 %. |
| Antioxidative Aktivität | Signifikante Steigerung | Die Aktivität stieg um ca. 1,06 %. Die Spuren von L. mesenteroides bei 12 Stunden Fermentation zeigten die höchste antioxidative Aktivität. |
| Gesamtphenolgehalt (TPC) | Erhöht | Der TPC stieg aufgrund der Enzymaktivität (Feruloyl-Esterase und Tannase) des LAB. Bei gerösteten Bohnen lag der TPC zwischen 85,37 und 123,87 mg GAE/g. |
| Proteingehalt | Reduziert | Die proteolytische Aktivität von L. mesenteroides führte zu einer Verringerung des Proteingehalts in den grünen Bohnen. |
| pH-Wert | Gesunken | Die Bildung von organischen Säuren durch das Bakterium führte zu einem saureren Profil. |
| Feuchtigkeitsgehalt | Erfüllt Nationale Normen | Der Feuchtigkeitsgehalt sank tendenziell und lag bei grünen Bohnen zwischen 9,82 % und 10,83 % (Norm: <12,5 %) und bei gerösteten Bohnen zwischen 3,33 % und 3,80 % (Norm: <5 %). |
Sensorik: Ein besserer Geschmack
Die Zugabe von L. mesenteroides verbesserte auch die sensorischen Eigenschaften von Espresso aus gerösteten Bohnen. Im Vergleich zur Kontrollgruppe wurden Geschmack, Aroma und Mundgefühl der fermentierten Bohnen von professionellen Baristas als besser bewertet.
Dies liegt an der Bildung von Essigsäure, Zitronensäure, Milch-, Apfel- und Bernsteinsäure während der Nassfermentation. Insbesondere verstärkte die Behandlung die Wahrnehmung von dunkler Schokolade und führte zur Ausbildung von Karamellnoten, was auf den höheren Kohlenhydratgehalt in den grünen Bohnen zurückzuführen ist.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zugabe von L. mesenteroides während der Nassfermentation von Robusta-Kaffee die chemische Qualität signifikant beeinflusst hat. Während der Protein- und Koffeingehalt sowie der pH-Wert sanken, stiegen der Gesamtphenolgehalt und die antioxidative Aktivität.
Das beste Ergebnis in Bezug auf die Steigerung der gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe und die sensorische Bewertung wurde bei einer Fermentationszeit von 12 Stunden mit L. mesenteroides erzielt.
Diese Methode bietet einen vielversprechenden Weg, Robusta-Kaffee gesünder und geschmacklich komplexer zu machen, indem die natürlichen Kräfte von Milchsäurebakterien genutzt werden. Es zeigt sich, dass selbst winzige Helfer wie L. mesenteroides eine gigantische Wirkung auf die Qualität unseres täglichen Kaffees haben können.
Weitere Forschung: Die Studie legt nahe, dass die Untersuchung weiterer LAB-Stämme in Kaffeebohnen diese potenziellen gesundheitlichen Vorteile weiter erschließen könnte.
Die wichtigsten Ergebnisse, übersetzt in Praxis
1) Koffein sinkt messbar
- Im Mittel minus ca. 13 Prozent Koffein durch den Starter.
- Beispielwerte aus der Röstkaffee-Gruppe: Spitze um 2,0 bis 2,1 Prozent Koffein mit Starter bei längerer Fermentation vs. bis zu rund 3,0 Prozent ohne Starter.
- Bedeutung: Robusta bleibt kräftig, wirkt aber milder. Für Espresso-Mischungen eröffnet das flexiblere Rezepturen.
2) Mehr antioxidatives Potenzial
- TPC steigt signifikant, mit dem stärksten Plus bei 12 Stunden mit Starter.
- Antioxidative Aktivität nimmt leicht zu. Das Rösten trägt zusätzlich über Maillard-Produkte bei.
- Bedeutung: Potenziell stabilere, klarere Tassen und bessere Lagerrobustheit.
3) Sauber und sicher
- Mikrobiologische Werte nach dem Rösten weit unter üblichen Grenzwerten. Der Starter wirkt zusätzlich kompetitiv.
- Bedeutung: Prozesssicherheit bleibt hoch, auch bei längerer Standzeit.
4) Sensorisch stimmig
- 6 bis 12 Stunden mit Starter schnitten im Panel am besten ab: dunkle Schokolade, karamellig, angenehme Viskosität. Farbe wurde etwas dunkler wahrgenommen.
- Bedeutung: Profil, das gut zu unserem Canephorum-Geschmacksbogen passt.
Grenzen der Studie
Es handelt sich um eine spezifische Rohkaffee-Basis und definierte Laborbedingungen. Ergebnisse können je nach Herkunft, Varietät, Mikroflora und Prozess-Setup variieren. Koffeinangaben zwischen Prozent und mg pro ml sind nicht direkt auf eine Tasse übertragbar. Für Konsumentenaussagen bleiben wir konservativ.
Quellen
Rosaliana, F., Swasti, Y. R., & Purwijantiningsih, E. (2025). The quality of robusta coffee (Coffea canephora) with the addition of Leuconostoc mesenteroides during wet fermentation. Biodiversitas, 26(7), 3334–3342. doi: 10.13057/biodiv/d260725.









